Uns trifft's: unsere Stipendien, unsere Chancengleichheit

2 Millionen Franken weniger Stipendien, weniger Chancengleichheit für finanzschwache Studierende

Gut 6000 Franken weniger pro Jahr. So lautet das einschneidende Verdikt für Karin Suter (Name geändert). Die 23-jährige Stadtluzernerin studiert seit zwei Jahren an der Universität Luzern Politikwissenschaften und ist direkt vom kantonalen Sparprogramm im Bildungsbereich betroffen. «Ich finde es beschämend, dass der Kanton den wirtschaftlich schlechter gestellten Studierenden mit seiner Finanzpolitik Steine in den Weg legt», sagt Suter. Das untergrabe nicht nur die Chancengleichheit, sondern werde den Fachkräftemangel zusätzlich verschärfen, meint sie.

Stipendien stehen eigentlich für Chancengleichheit. Auch Menschen mit finanzschwachem Hintergrund sollen dank den kantonalen Ausbildungsbeiträgen Zugang zu den Bildungsstätten haben. Mit der aktuellen Finanzpolitik spart der Kanton Luzern diese Chancengleichheit nun allerdings weg.

«Weil sich mein Stipendium merklich reduziert, kann ich mein Studium nicht wie geplant fortsetzen», sagt die angehende Politologin konsterniert. Ihren ohnehin schon tiefen Lebensstandard könne sie nicht noch weiter senken: «Ich lebe sehr bescheiden und wüsste nicht, wo ich mich noch einschränken könnte», sagt Suter, die sich mit drei Kommilitonen eine günstige Studentenbleibe teilt.

Zurück ins Elternhaus zu ziehen käme für die Studentin nicht in Frage. «Ich möchte meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen. Ausserdem sollte es doch möglich sein, seinen Lebensunterhalt selbständig zu bestreiten und trotzdem ein Studium absolvieren zu können», konstatiert sie. «Sind Stipendien nicht genau dazu da?» Suter bleibt also nichts anderes übrig, als die gestrichenen Unterstützungsgelder anderweitig zu kompensieren. «Für mich heisst das, neben dem Studium noch mehr zu arbeiten. Die Zeit, die ich eigentlich fürs Lernen aufbringen sollte, geht jetzt halt für Aushilfsjobs drauf. Das wird meine Ausbildungszeit merklich verlängern», zeigt sie sich frustriert.

So wie Suter geht es vielen. Im Rahmen der kantonalen Sparmassnahmen wurde das jährliche Stipendienvolumen im laufenden Jahr um 2 Millionen auf total 7,6 Millionen Franken gekürzt. Gut 80 Prozent aller Gesuche sind davon betroffen. Im Einzelfall belaufen sich die Kürzungen auf bis zu 9500 Franken. Bei der Luzerner Stipendienstelle rechnet man zudem mit 150 bis 180 zusätzlichen Abweisungen im Vergleich zum Vorjahr, die Mehrheit davon auf Tertiärstufe. 2014 beteuerte der Regierungsrat noch, die Ausbildungsbeiträge langfristig bei 10,5 Millionen Franken zu belassen. Heute weiss man: Das war nicht mehr als heisse Luft. Insgesamt wurde das Stipendienvolumen seit 2004 um satte 40 Prozent reduziert. Mit diesen Ausbildungsbeiträgen gehört der Tiefsteuerkanton Luzern schweizweit zu den Schlusslichtern.