Uns trifft's: unsere Prämienverbilligung, unser Sozialausgleich

7,5 Millionen Franken weniger für individuelle Prämienverbilligungen, mehr Sozialhilfe

Der Kanton Luzern treibt seine Bürgerinnen und Bürger in die Schulden – so liesse sich die Geschichte betiteln, die den momentanen Tiefpunkt der kantonalen Sparpolitik erzählt. Über 7,5 Millionen Franken spart der Kanton bei den individuellen Prämienverbilligungen ein. Rund 8000 Luzerneinnen und Luzerner müssen überdies bereits gesprochene Prämienvergünstigungen zurückzahlen. Für die Betroffenen ist das eine einzige Katastrophe.

So zum Beispiel für Eva Straub (Name geändert). Die 48-jährige Krienserin war schockiert, als sie im Oktober Post von ihrer Krankenkasse erhielt, in der sie dazu aufgefordert wird, die beigelegte Rechnung in Höhe von 3100 Franken zu bezahlen: 2200 Franken als Rückforderung bereits gesprochener Prämienverbilligungen plus die Prämien von Oktober bis Dezember. «Ich war schockiert», erinnert sich Straub. «Ich war und bin noch immer stinkwütend darüber, wie der Kanton Luzern finanzschwache Menschen behandelt», echauffiert sich die alleinerziehende Mutter eines 8-jährigen Jungen. «Das ist unter aller Sau und jenseits von gesundem Menschenverstand.»

Ihre verzweifelte Empörung ist nicht unbegründet. Bei einem monatlichen Einkommen von zirka 3700 Franken (inkl. Alimente) bleibt nicht viel zum Sparen übrig, was es für die gelernte Graveurin schlicht unmöglich macht, den Rechnungsbetrag zu begleichen. «Ab aufs Sozialamt oder mich verschulden und auf die Schwarze Liste säumiger Krankenkassenzahler eintragen lassen, das sind meine beiden Optionen», sagt Straub, die zu 65 Prozent in fester Anstellung arbeitet.

Straub ist froh, dass immerhin die Police ihres Sohnes von den Kürzungen nicht betroffen ist. Auch sie selbst hat bei einem steuerbaren Einkommen von knapp 24’000 Franken zwar weiterhin Anspruch auf Prämienvergünstigung. Dieser Anspruch hat sich allerdings drastisch reduziert. «Mit der neuen Police machen die Krankenkassenprämien rund 12 Prozent meines Einkommens aus», rechnet die Krienserin vor. «Da stellt sich mir schon die Frage, wie wenig man verdienen muss, dass man als Einzelperson von massgeblichen Prämienrabatten profitieren darf.»

Um gut 300 Franken erhöhen sich Eva Straubs monatliche Ausgaben. Liegt das drin? «Es muss», sagt die 48-Jährige schulterzuckend. «Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass das wieder in normale Bahnen gelenkt wird, sprich, dass die massgebende Einkommensgrenze wieder nach oben korrigiert wird.» Immerhin, so fügt sie an, konnte sie sich mit ihrer Krankenkasse darauf einigen, den Rückforderungsbetrag in Raten zu zahlen. Nur deshalb bleibt sie vom Gang aufs Sozialamt verschont – zumindest vorläufig.