Uns trifft's: unsere Kulturförderung, unsere Kulturvielfalt

800’000 Franken weniger Kulturförderung – viel weniger Kultur

Die kantonalen Sparmassnahmen treffen den Schauspieler Rolf Weber (Name geändert) mit voller Wucht. Weniger Kulturgelder, keine Prämienverbilligung, drohender Verlust des Arbeitsplatzes: Der zweifache Familienvater muss gleich dreifach bluten.

Die 800’000 Franken, die der Kanton Luzern in diesem und im nächsten Jahr bei der Kulturförderung einspart, klingen nach wenig. In Anbetracht des millionenschweren Defizits kann da höchstens von einem lauwarmen Tröpfchen auf den brennend heissen Stein die Rede sein. Setzt man diese 800’000 Franken allerdings ins Verhältnis zu den total 2 Millionen, mit denen die Freie Kulturszene bisher jährlich gefördert wurde, dann entsprechen die Kürzungen in diesem Bereich satten 40 Prozent. Das lauwarme Tröpfchen entpuppt sich so schnell als existenzielle Bedrohung für die hiesigen Kulturschaffenden.

«Es ist hirnrissig, hier so viel zu sparen, und ein Armutszeugnis für den Kanton», echauffiert sich Rolf Weber. Als Schauspieler und Theatermacher ist der 38-jährige Familienvater aus Emmenbrücke direkt von diesem Budgetschnitt betroffen. «Die Arbeitsbedingungen haben sich klar verschlechtert. Überall muss ich mich einschränken: Projekte fallen aus oder müssen stark redimensioniert werden, das heisst weniger Proben, weniger Stellen, weniger Lohn.» Weber spricht von einem schleichenden Kulturabbau, der das Kantonsimage nachhaltig beschädigen werde. «Luzern schreckt mit dieser Finanzstrategie Kulturschaffende ab», bemerkt er. Die Zukunftsaussichten der Freien Szene versprechen keine rosigen Zeiten.

Damit nicht genug: «Ich bin nicht nur als Theaterschaffender von den Sparmassnahmen betroffen, sondern auch als Familienvater», betont Weber, der bereits gesprochene Prämienverbilligungen an den Kanton zurückzahlen muss. «Ausserdem arbeite ich in einem 20-Prozent-Pensum beim Historischen Museum, das langfristig ebenfalls auf der Abschussliste steht. Bei dieser Finanzstrategie des Kantons ist es nur eine Frage der Zeit, bis das Kulturschiff endgültig absauft.» So hat sich Weber seinen Traum vom Leben als Schauspieler definitiv nicht ausgemalt.